Das Jahr 2025 nähert sich dem Ende zu und die Anleger fragen sich, ob 2026 wieder ein so gutes Börsenjahr wird wie die vergangenen.
Die Megatrends, die in den letzten Jahren die Anlegerschaft beschäftigt haben, werden wohl auch 2026 weiter diskutiert werden. Aktienexperte Guido Linnenborn rät für 2026 zur Vorsicht: Vieles ist in die Themen um KI, Speicherchips, Rüstung und Kryptoaktien eingepreist, das Rückschlagpotenzial hoch. Die Bewertungen von Palantir und einigen Drohnenherstellern liegen im dreistelligen Bereich oder einige Startups erwirtschaften noch Verluste.
Relativ sicher hingegen investiert man nun in Unternehmen, die das besitzen, was man neuhochdeutsch als Value bezeichnet, wobei dieser Begriff nicht eindeutig einzugrenzen ist. Value meint so etwas wie „vorhersagbare Erträge eines Unternehmens“, gepaart mit „starker Finanzkraft“ und „etabliertem Geschäftsmodell“.
In der Regel gehen diese Eigenschaften eines Unternehmens mit hoher Dividendenrendite, starkem Eigenkapitalpolster in Kombination mit defensiver Branchenzugehörigkeit einher. Im Hype der letzten Jahre sind diese Valueunternehmen ziemlich in Ungnade gefallen, viele Anleger zogen hier Gelder ab, d. h. sie verkauften ihre Aktien, um Nvidia, Bitcoin, Rheinmetall und Co zu kaufen. Deshalb sind viele Aktien stark gefallen, obwohl das Geschäftsmodell weiterhin intakt ist.
Einige Unternehmen stellt Guido Linnenborn hier vor:
- Pfizer Ein großer Pharmakonzern, der im Coronahype 2022-3 eine regelrechte Rakete war, dann aber wegen sinkender Bestellungen bei den Impfstoffen umso stärker verlor. Pfizer weist ein Eigenkapital von fast 90 Mrd $ aus- bei einer Marktkapitalisierung von ca. 140 Mrd. $- also sind mehr als 50% der Marktkapitalisierung durch Eigenkapital gedeckt- eine absolute Seltenheit für ein profitables unternehmen! Mit einen KGV von ca. 12 und einer Dividendenrendite von 7% (Stand Ende Dezember 2025) ist Pfizer eine Aktie für Menschen, die gerne gut schlafen möchten und sich nicht jede Woche oder öfter mit ihrem Depot befassen wollen. Zustäzlich kann man bei Pfizer darauf bauen, dass die Dividende perspektivisch gesteigert wird. Innerhalb der letzten 20 jahre gab es nur drei mal eine Dividendenkürzung- und diese fiel jedes Mal sehr moderat aus. Seit 1996 hat das Unternehmen seine Dividende von 8 ct. pro Aktie und Jahr auf über 1,5$ gesteigert. (Quelle: https://www.boerse.de/dividenden/Pfizer-Aktie/US7170811035) Soll heißen: Innerhalb von 30 jahren hat sich die Dividende fast verzwanzigfacht. Trotz Corona, Immobilienkrise und Dotcomcrash. Pfizer ist mit seinen Produkten wie Viagra und diversen Antibabypillen in etablierten Märkten stationiert. Das Rückschlagpotenzial halte ich für gering: So ist bereits eingepreist, dass die Variante der Abnehmpille bei Pfizer derzeit kein Thema ist- ganz im Gegenteil zu den Spekulationen bei Eli Lilly und Novo Nordisk
- The Western Union Company
Der schwarz-gelbe Logo ist wohl fast jedem von uns einmal aufgefallen. Bei vielen kiosken, Postannahmestellen usw. prangt das Schild, das darauf hinweist, dass man hier weltweit Geld verschicken kann. Ich musste die Dienste noch nicht in Anspruch nehmen, bislang war ich noch nicht in der Notsituation, dass mir im Urlaub Geld und Karte abhanden gekommen sind und ich dringend Geld aus der Heimat benötigte. Aber vielen ist genau dieses vorgekommen und so lässt man sich in der Regel über dieses Unternehmen das Geld zuschicken- man bekommt es dann bar ausgezahlt. Vor allem Gastarbeiter aus fernen Ländern nutzen Western Union, um das hier verdiente Geld in die Heimat zu schicken- um der Familie zu unterstützen. Western Union verdient weiterhin prächtig: Mit einem KGV von ca. 6 kann es seine üppige Dividende, deren Rendite bei ca. 10% liegt locker bezahlen. Mit einer Mrd $ Eigenkapital und einer Marktkapitalisierung von ca. drei Mrd. $ ist die Bilanz auch vollkommen in Ordnung. Western Union wird immer wieder nachgesagt, dass das krptosytem in Zukunft das Geschäftsmodell in Frage stellen könnte. Erstens experimentiert Western Union jetzt auch mit Kryptozahlungen und zweitens glaube ich nicht, dass die Währungen allsamt das Zeitliche segnen werden- und solange es noch die etablierten Währungen gibt, solange wird Western Union auch in diesen Währungen Transfers übernehmen. - Conagra Brands ist hierzulande weniger bekannt, denn das Unternehmen vertreibt seine Produkte fast ausschließlich in den USA. Tiefkühlpizzen, Fertigjoghurt, eingepackte Baguettes, Tütensuppen usw. einfach alles, was hierzulande Dr. Oetker, Maggi, Knorr und Co herstellen und vertreiben- das macht in den USA eben das Unternehmen Conagra Brands. Die Umsätze steigen nur leicht, die Gewinne ebenfalls- in Haussezeiten wird nun einmal nicht mehr gegessen als in Baissephasen. Und genau das macht mir in der derzeitigen, überhitzten Börsenphase die Aktie so sympathisch: Mit einem KGV von 8 und einer Dividendenrendite von über 8% schlägt es die bekannten Lebensmittelriesen wie Unilever (vertreibt die Marke Knorr) oder Pepsi erst einmal deutlich.
Das Eigenkapital übertrifft dabei sogar den Börsenwert (9 Mrd. $ vs 8,2 Mrd. $). Warum der wert seit 2023 von 41$ auf 17 $ gefallen ist, ist wohl dem bereits bekannten Umstand geschuldet, dass Valuewerte es in der derzeitigen Stimmung schwer haben, bei den Anlegern Käufer zu finden. - Aegon: Fiel vor ein paar Wochen wie ein Stein, als der Finanzriese bekannt gab, dass er seinen Firmensitz aus den Niederlanden in die USA verlagern will. Die Kosten dafür sind mittlerweile beziffert- es sind einmalige Belastungen von ca. 10% des Gewinnes im Jahre 2026- mehr nicht. Ein KGV von ca. 8, eine Dividendenrendite von fast 7%, das Eigenkapital liegt auch bei sehr komfortablen 100% der Marktkapitalisierung- und das bei einem Finanzwert. Für Langfristinvestoren eine wirklich sehr lukrative Situation.
Zusammenfassend möchte ich feststellen, dass Valueinvestoren derzeit viel vesprechende gelegeheiten besitzen, wertvolle Unternehmen zu Schnäppchenpreisen zu ergattern. Ich will nicht als Crashprophet gelten, mag ja sein, dass die Magnificant Seven auch 2026 weiter steigende Notierungen aufweisen werden, aber die Gefahr einer Korrektur halte ich für ziemlich groß und man fährt mit den hier vorgestellten Werten eigentlich in ziemlich ruhigem Fahrwasser.
28.12.2025